Lisa-Tetzner- Schule, Neukölln
Hasenhegerweg 12, 12353 Berlin. Tel: 6045065, E-Mail: berlin.08g34@t-online.de

Spielgruppe:
Companie der Lisa-Tetzner-Schule

Leitung:
Michael Assies assies@lisa-tetzner.de
Karin Weddington
karinborg@arcor.de
Christel Ledworuski
h.ledworuski@t-online.de

Fotos:Bruno Braun

Titel des Stückes:

DIE KINDER AUS NR. 67
Eigenproduktion nach Motiven von Lisa Tetzner
Text: Michael Assies


Die Companie der Lisa-Tetzner-Schule setzt sich aus insgesamt 27 Kindern der Klassenstufe 5 und 6 zusammen. Sie trifft sich einmal in der Woche für 1 ½ Stunden.

Lisa Tetzner hat den einzigen deutschen Entwicklungsroman im Bereich Jugendbuch verfasst, der über 10 Bände die Zeit einer eingeschworenen Kindergruppe von 1932 bis nach 1945 beschreibt. Da die Autorin 2014 ihren 120sten Geburtstag gefeiert hätte und unsere Schule ihr vierzigjähriges Bestehen feiert, lag es nahe, sich mit diesem Jugendroman näher auseinanderzusetzen.
Das ist bei einem zehnbändigen Werk nicht gerade leicht und so haben wir uns entschieden, uns auf einige Episoden in den Bänden eins und zwei zu konzentrieren.
Diese Episoden spielen im Jahre 1932 und trotz der zeitlichen Ferne werden hier Phänomene wie Freundschaft, Ausgrenzung, soziale Diskriminierung und Rassismus angesprochen, wie sie auch heute noch, mitunter natürlich in veränderter Form, im Erlebnisbereich unserer Schüler hautnah erlebbar sind.
Zunächst galt es, der Theatergruppe die historischen Zusammenhänge zu erläutern und sehr zielgerichtet auf Fragen einzugehen. Das führte auch zu eigenständiger Recherche einiger Schüler, um sich das gesellschaftliche Umfeld noch nachhaltiger zu erschließen.
Eine besondere Problematik war in diesem Zusammenhang das Aufkommen des Nationalsozialismus. Der im Stück vorkommende Willi, eigentlich der Bandenführer der Gruppe, fühlt sich immer mehr zum Gedankengut der Hitlerjugend hingezogen und kommt so in unüberbrückbaren Konflikt mit seinen anderen Gruppenmitgliedern. Diese ideologische Verführung zu den Nazis hin war für die meisten Schüler nur schwer nachvollziehbar, da eine derart offene Infiltrierung von Seiten einer Partei heutzutage bis zu Kindern hin unbekannt ist.
Wenn das Stück diese Problematik auch aufgreift und sich das Thema quasi als Subtext durch das ganze Stück zieht, so war doch auch die Absicht, darüber hinaus die Aspekte von Abenteuer und Freundschaft mit aufzunehmen. Lisa Tetzners Roman beschreibt ja zumindest in den ersten beiden Büchern eine Jungenfreundschaft, die durch dick und dünn geht und deren Protagonisten trotz aller sozialen und politischen Probleme immer viel Spaß miteinander und Vertrauen zueinander haben.
Das Stück wird also aus der Sicht der Kinder aufgerollt. Dabei gilt es, drei Geschichten miteinander zu verknüpfen. Eine Erzählerin gibt dabei Hintergrundinformationen, treibt die Geschichte voran und gestaltet die Übergänge.
Eine besondere Herausforderung war hierbei auch der Versuch, die Geschichte in der damaligen Zeit zu belassen und zumindest ansatzweise in zeitgemäßer Kleidung zu spielen. Da ein Aufruf an die gesamte Elternschaft der Schule leiderkaum zu nennenswerten Spenden führte, mussten wir z.T. über Ebay oder Trödelmärkte zu entsprechenden Kleidungsstücken kommen. Dabei gingen wir manchen Kompromiss ein, aber in der Grundtendenz ist die Zeit in den Kostümen nachvollziehbar.

Einen wesentlichen Aspekt in dem Stück „ Die Kinder aus Nr. 67“ bildet die Musik. Hierbei haben wir uns ausschließlich auf deutsche Swingmusik bis zum Jahr 1933 beschränkt. Waren wir zunächst unsicher, ob die MitspielerInnen der Companie die Musik überhaupt mögen, so wurden wir schon beim ersten Anspielen eines Besseren belehrt. Diese Musik ist sehr ansprechend und animiert sofort zu rhythmischer Aktivität. Hinzu kommt, dass viele der Musikstücke mit den Mitteln des Schlagers die Sehnsucht der einfachen Bevölkerungsschichten widerspiegeln, aus der eigenen sozialen Schiefstellung herauszukommen oder finanziell bzw. gesellschaftlich aufzusteigen.