Lisa-Tetzner- Schule, Neukölln
Hasenhegerweg 12, 12353 Berlin. Tel: 6045065, E-Mail: berlin.08g34@t-online.de

Spielgruppe:
Knirpsengruppe 4

Leitung:

Andrea Nestler
Michael Assies assies@lisa-tetzner.de
Fotos:Bruno Braun

Titel des Stückes:

EMIL UND DIE DETEKTIVE

Inhalt des Stückes

Der zwölfjährige Emil Tischbein reist aus der heimatlichen Kleinstadt Neustadt erstmals nach Berlin, um Seine Großmutter zu besuchen, bei der auch seine Cousine Pony Hütchen lebt. Seine Mutter gibt ihm 140 Mark zur finanziellen Unterstützung seiner Großmutter mit. Um sicher zu gehen, heftet Emil das Geld in seiner Innentasche mit einer Stecknadel an.
Dieses Geld wird ihm im Eisenbahnabteil von einem Mitreisenden, der sich Grundeis nennt, gestohlen. Emil wagt nicht , zur Polizei zu gehen und verfolgt den Dieb vom Hauptbahnhof aus auf eigene Faust. Er wird von dem gleichaltrigen Berliner Jungen Gustav angesprochen, der von Emils Missgeschick erfährt. Gustav trommelt einige Freunde zusammen, die eine Kriegskasse anlegen und einen Nachrichtendienst organisieren. Die Truppe verfolgt den Dieb vom Cafe Josty über das Hotel Kreid bis zur Berlin - Bank. Hierbei tritt auch Pony Hütchen hinzu, die durch ihr beherztes Wesen das Unternehmen mit klugem Kopf unterstützt.
Als der durch die Verfolgung nervös gemachte Dieb die gestohlenen Geldscheine in einer Berlin - Bank umtauschen will, wird er von den Detektiven gestellt, weil hier die Stecknadellöcher in den Scheinen entdeckt werden. Grundeis wird der Polizei übergeben. Bei der Untersuchung stellt sich heraus, Dass Grundeis ein gesuchter Bankräuber ist. Emil bekommt tausend Mark als Belohnung.

Emil und die Detektive
Die Lisa-Tetzner-Schule feiert in diesem Jahr 40sten Geburtstag der Schule und den 120sten der Jugendautorin Lisa Tetzner. Aus diesem Anlass beschäftigt sich die gesamte Schule mit Lisa Tetzner und wird aus diesem Grunde am Ende des Schuljahres 2013 / 14 einen großen Maskenball veranstalten. Die Entscheidung hierfür geht auf den Roman von Lisa Tetzner zurück, in dem die Freundschaft von Jungen beschrieben wird, die zu Beginn der 30er Jahre in einem Berliner Hinterhaus leben und hier direkt oder indirekt mit den Unbillen der ausgehenden Weimarer Republik konfrontiert werden. In diesem Zusammenhang wird die große Theater-AG die Dramatisierung von Auszügen der ersten beiden Bände des Romans zur Aufführung bringen.
Auch die Theater-AG der 4. Klassen will sich von Beginn an in die gemeinsame Schulthematik einbinden, allerdings finden die Kinder nicht den rechten Zugang zum oben beschriebenen Jugendbuch und auch nicht zu den Märchen von Lisa Tetzner.
Gleichsam will man aber mit dem beabsichtigten Theaterprojekt in etwa in der gleichen Zeit bleiben, um auch mit den gesamten Schulaktivitäten einher gehen zu können.
Da fällt die Entscheidung sehr schnell auf
Emil und die Detektive von Erich Kästner, weil die Geschichte auch in der Weimarer Republik spielt (die erste Verfilmung kam 1931 heraus – Drehbuch: Billy Wilder). Dieser zeitliche Aspekt spielt aber für die Kinder eine entscheidende Rolle. Sie finden vielmehr die Geschichte toll, weil sie spannend ist und die Solidarität und Durchsetzungskraft von Kindern in einer ansonsten von Erwachsenen dominierten Gesellschaft zeigt.
Viele Kinder der AG kennen die Geschichte als Buch, als Hörbuch oder als Film. In der Lisa-Tetzner-Schule liegt zudem das Buch im Klassensatz vor und wird in der Regel am Ende der vierten Klasse gelesen.
Nach dem Zusammentragen der Geschichte durch die Kinder werden die Rollen gefunden, die im Wesentlichen in der Geschichte vorkommen. Aufgrund dieses Materials experimentieren wir mit den unterschiedlichen Figuren, geben ihnen Haltungen und kleine typische Sätze, die besonders prägend sind. Dabei experimentieren alle Kinder mit allen Figuren und führen kleine, stückbezogene Improvisationen durch, die sich besonders auf die Begegnung von zwei oder drei Personen konzentrieren (Emil und Mutter, Polizist und Emil, Gustav und Emil, Emil und Grundeis, Kommissar und Grundeis usw.). Diese gesamte Erarbeitungsphase erfolgte noch ohne vorgegebenen Text und ohne Rollenzuschreibung.
In der zweiten Erarbeitungsphase kommt der Text hinzu. Erich Kästner hat selbst aus dem eigenen Roman 1930 eine Theaterfassung herausgebracht, die sich präzise an den Roman hält (wie auch das Drehbuch von Wilder für den Film 1931 wesentliche Teile des Romans übernommen hat). Aus dieser Fassung stellen wir eine sehr verknappte Spielgrundlage her, die sich auf den Kern der Geschichte konzentriert und die für Kinder der 4. Klasse auch zu bewältigen ist. Die Arbeit am und mit dem Text ist insofern unproblematisch, als sich die Kinder durch die Vorübungen mit den Grundschemata der Rollen vertraut machen konnten und vor allen durch das gemeinsame Durchspielen verschiedener Typisierungen schon Vorlieben entwickelt haben. Somit fällt die Rollenwahl auch nicht schwer. Allerdings verändern sich die Festlegungen der Rollen im laufenden Erarbeitungsprozess noch manches Mal, weil Kinder, die zunächst eher zaghaft waren und sich wenig zutrauten, zunehmend Sicherheit gewannen und stärker beteiligt werden wollen. Zwar geht durch das Einbringen des Textes die zuvor in den Improvisationen erarbeitete körperliche Präsenz und Spielkraft verloren, aber mit zunehmender Textsicherheit kann sie wieder zurückgewonnen werden, zumal wir beinahe jede Probe mit den Visitenkarten der einzelnen Figuren eröffnen, sodass die SchülerInnen schnell und nachhaltig in die Figuren zurückfinden.
Ein wesentliches Element des Stückes ist die Musik. Hierbei nutzen wir das Musical
Emil und die Detektive von Marc Schubring, das 2001 in Berlin uraufgeführt wurde und in dem nebenbei bemerkt ein damaliger Teilnehmer der Theater-AG der Lisa-Tetzner- Schule den Gustav spielte. Dem Musical gelingt es, die Geschichte mit guten Texten und immer wieder auch mit Assoziationen zur Musik der 30er Jahre überzeugend wiederzugeben. Wir wollen uns aber nur auf die Bühnenmusik konzentrieren und diese im Wesentlichen für die Übergänge nutzen. Da die CD des Musicals hierfür aber nicht viel hergibt, muss sehr viel geschnitten, geloopt, überblendet usw. werden.
Wie gesagt, die Musik soll eigentlich nur als Übergangsmusik dienen. Als wir sie aber den Kindern zu Gehör bringen, reagieren sie spontan sehr angetan, swingen mit, entwickeln rhythmische Grundformen und haben einen unbändigen Spaß daran. So sammeln wir in Bewegungsimprovisationen der Kinder zur Musik Material, dass wir im Weiteren bearbeiten und als rhythmisierenden, strukturierenden Element mit einbauen.
Als Kulissen dienen im Grunde nur die Elemente, die die Lisa-Tetzner-Schule seit Jahren in zahlreichen Aufführungen immer wieder nutzt: alte Stühle, Würfe, Stellwände. Diese Gegenstände können schnell auf- und abgebaut und vielseitig verwendet werden: Würfel für die Bahnhofs-oder Bankschalter sowie als großer Schreibtisch des Kommissars, Stellwände als Hoteltür oder Litfaßsäule, alte Stühle für den Frisiersalon, den Bahnhof, das Abteil usw. Hier besteht anfangs die Absicht, diese Elemente so einzusetzen, wie sie von vielen unserer Theatergruppen verwendet werden. Lediglich einige Schilder in Frakturschrift sollen die jeweiligen Spielorte näher bestimmen.
Nun will es der Zufall, dass zu Beginn des Jahres 2014 ein russischer Kunstmaler an unserer Schule für ein knappes Jahr beschäftigt wird, der nach Beschäftigung sucht. Nach unseren Vorgaben fertigt er somit nicht nur die Schriftschilder, sondern auch einige Prospekte an, die an den Stellwänden mühelos befestigt werden können. Somit wird das Bühnenbild entgegen der ursprünglichen Planung bunter und auch konkreter, was aber das Gesamtbild bereichert und unseren Intentionen nicht zuwider läuft. Die Kinder mögen es ohnedies lieber bunter und konkret.
Die Theatergruppen der Lisa-Tetzner-Schule arbeiten in der Regel in schwarzer Kleidung. Diese Prinzip behalten wir im Grundsatz auch bei dieser Inszenierung bei, die Figuren erhalten aber durch zusätzliche Kleidung und Requisiten, die aus unserem Fundus stammen, eine Verdeutlichung, die die Zeit unterstützt, zumal das Kostüm, und sei es auch nur ein Teil davon, den Kindern in ihrem Spiel eine Hilfestellung und Anregung bieten kann.
Die Aufzeichnung ist eine Probe Ende März. Premiere ist Ende Juni 2014.
In der Probenaufzeichnung lassen sich wesentliche Abläufe aber schon erkennen.
Spielfluss und körperliche Präsenz müssen noch weiter erarbeitet und intensiviert werden. Eine große Herausforderung für die Kinder sind die Umbauten und der logistische Ablauf, weil sie alles selbst durchführen. Hier müssen die Übergänge noch weiter präzisiert werden.
Bei der Probe fehlten zwei Kinder, sodass deren Rollen von anderen Kindern für die Aufzeichnung übernommen werden mussten.

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