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Theatergruppe: 15 SchülerInnen der 5. und 6. Klasse


Leitung:
Claudia Mertin claudia.mertin@hotmai
Norbert Meisenberg n.m.meisenberg@gmx.de

Fotos:
Simon


Titel des Stückes:
Emil und die Detektive

Inhalt:
Zum ersten Mal fährt Emil allein vom beschaulichen Neustadt nach Berlin, um seine Großmutter zu besuchen. Doch im Zug schläft er ein, und als er aufwacht stellt er fest, dass ihm sein ganzes Geld gestohlen wurde. Nur einer kann der Dieb sein: der Mann mit dem steifen Hut! Da er in Neustadt etwas ausgefressen hat, wagt er nicht, sich an die Polizei zu wenden. Doch wie soll Emil allein in einer großen, fremden Stadt den Dieb zur Strecke bringen? Glücklicherweise trifft er auf Gustav mit der Hupe und seine Freunde, die ihm bereitwillig helfen. Auch seine Kusine Pony Hütchen mischt kräftig mit bei der aufregenden Verfolgungsjagd.
Probenprozess:
Grundlage des Stücks war eine von mir erstellte dramatische Fassung des Romans, die dem Geschehen chronologisch folgt, aber auf zahlreiche Nebenschauplätze zugunsten einer straffen Dramaturgie verzichtet.
Die dramatische Vorlage lebt von der genauen Figurenzeichnung und der zeitgenössischen Sprache Kästners. Neben der Sprache spielten auch die historisierten Kostüme und Requisiten eine wichtige Rolle im ästhetischen Konzept der Inszenierung. Auf Aktualisierungen wurde daher bewusst verzichtet. Damit war die Absicht verbunden, die Schülerinnen und Schüler während des Probenprozesses auf eine Zeitreise in die 30ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mitzunehmen.
Unser Probenprozess folgt einem bewährten Muster.

Bereits zu Beginn stand fest, dass wir „Emil und die Detektive“ spielen. Zunächst wurden die Szenen mit verteilten Rollen gelesen, dann wurde der Inhalt der Szene geklärt, unbekannte Begriffe erläutert und die Handlungsziele der Figuren herausgearbeitet.
Das fand allerdings immer auch schon in szenischen Improvisationen statt mit wechselnden Besetzungen, sodass alle Schülerinnen und Schüler Gelegenheit erhielten, möglichst viele Rollen auszuprobieren. Diese Arbeit setzte sich so lange fort, bis alle Szenen einmal in dieser Weise besprochen und angespielt worden waren.
Hieran schloss sich die Rollenbesetzung an. Die Schülerinnen und Schüler konnten ihre Rollenwünsche äußern und wir entschieden dann, gegebenenfalls nach Rücksprache mit den Schülerinnen und Schülern, über die endgültige Besetzung.
Nun begann die zweite Phase des Probenprozesses, in der bei jeder Probe zwei Szenen parallel unter unserer Leitung erarbeitet wurden. Zu diesen Proben waren dann nur die Schülerinnen und Schüler anwesend, die in den jeweiligen Szenen spielten. Das hat den großen Vorteil, dass immer alle beschäftigt sind und die Arbeit auf diese Weise sehr viel intensiver ist. Zum Ende der Probe spielten sich die Gruppen ihre Szene gegenseitig vor und gaben sich wechselseitig Rückmeldung.
Auf diese Weise wurden im Laufe des Schuljahres alle 16 Szenen zweimal durchgearbeitet. Entscheidend für eine erfolgreiche Arbeit an den Szenen ist zum einen die sichere Kenntnis des Rollentextes, der für einige Schülerinnen (z.B. für die Emilrolle) ziemlich umfangreich war.
Um den Einstieg in die Figur zu erleichtern setzen wir möglichst früh Kostüme oder zumindest Kostümteile ein und drängen darauf, die private zugunsten einer neutralen Theaterkleidung abzulegen. Wichtig ist auch der Einsatz der Requisiten, durch den die Schülerinnen den Vollzug alltäglicher Handlungen mit den Eigenschaften ihrer Figur verbinden können. Trotzdem befällt manche Schülerin auf der Bühne die Angst zu Versagen oder ein Schamgefühl, dass eine erfolgreiche Probenarbeit erschwert.
Schüler benötigen daher für ihre Figur klare Typisierungen, die ihnen helfen, ihre Figur deutlich von ihrem Selbst abgrenzen zu können, und sie damit befähigen, die Kontrolle über sich aufzugeben. Dazu brauchen sie unbedingt die gezielte Anleitung die bis hin zum konkreten „Vormachen“ gehen kann. Denn die Schüler verfügen zwar über körperliche Ausdrucksmöglichkeiten, sie sind jedoch meist alles andere als theatral im Sinne eines bewussten, theatralen Zeichens. Die Schüler müssen lernen, ihren Körper so einzusetzen, dass eine beabsichtigte Wirkung erzielt wird.
Diese Formfindung beginnt bei der Bewegung jedes einzelnen und endet bei der gesamten Aufführung. Man könnte es eine „Choreografie der Körper“ nennen, eine klare Formsprache mit erkennbaren, die Figuren unterscheidbar machenden Typisierung. Drängt der TL auf Einhaltung dieser Form (er drängt ja auch auf Einhaltung von Regeln in der Theatergruppe, er appelliert an Disziplin und Aufmerksamkeit), gibt er seinen Schülern die Sicherheit, die sie benötigen, um sich frei zu machen von der Selbstkontrolle.
Haben die Schüler für ihre Figur eine klare Formensprache entwickelt, kann auch das Sprechen gelingen. Wenn ein Satz fällt, ist das oft das Ende einer Entwicklung, welche die Figur durchgemacht hat. Erst kommt stets die körperliche Reaktion, dann folgt die Sprache. Das Schema von Aktion – Reaktion muss zunächst im Körper verankert sein, dann folgt die Sprache nur folgerichtig. Körperloses, bewegungsloses Spiel verkommt ohne Körperaktion – Körperreaktion zum „Aufsagtheater“.