Lisa – Tetzner-Schule, Neukölln
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Spielgruppe:
Companie der Lisa-Tetzner-Schule


Leitung:
Michael Assies assies@lisa-tetzner.de
Karin Weddington Karinborg@arcor.de
Sabine Hubrich sabine.Hubrich@web.de
Beyzanur Ari beyzanur.ari@hotmail.de
Christel Ledworuski H.Ledworuski@t-online.de

Fotos: Karl-Heinz Franzen


Titel des Stückes:

SIEGFRIED – Der Sage erster Teil

Eigenproduktion
Text und Musik: Michael Assies


Inhalt
Aus den Motiven des Nibelungenliedes wird eine veränderte Geschichte erzählt, die aber den Kern und die Intention beibehält.

Gernot und Silberling lagern geschwächt im Wald. Sie sind eigentlich Minnesänger, hatten aber beim Wettstreit auf der Wartburg keinen Erfolg. Und so lungern sie hungernd herum. Erschreckt fahren sie auf, als ein undefinierbares Ungetüm über sie hinwegfegt.
Als ein Pferd naht, planen sie einen Überfall auf den Reiter, um zu Nahrung zu kommen. Es gelingt ihnen, das Pferd zu Fall zu bringen, allerdings ist vom Reiter nichts zu sehen. Noch während sie sich darüber wundern, erhalten sie von unsichtbarer Hand zahlreiche Schläge. Schließlich gibt sich Siegfried zu erkennen, indem er die Tarnkappe abnimmt mit dem Ansinnen, sie sogleich niederzustrecken. Als er aber erfährt, dass die beiden Minnesänger sind, nimmt er sie in seine Dienste, um sie bei seinem Werben um Kriemhild in Worms als Unterstützung einsetzen zu können.
Bei ihrem gemeinsamen Ritt auf dem Weg nach Worms gelangen sie in ein kleines Dorf, dessen Bauern niedergeschlagen und furchtsam den Himmel beobachten. Sie erfahren, dass der Drache die Felder verwüstet und immer wieder auch Jungfrauen des Dorfes entführt. Siegfried verspricht, bei König Gunter von Burgund ein gutes Wort einzusetzen, um Hilfe für das Dorf zu erbitten.
In Worms will die Drei zunächst keiner empfangen. Erst als Siegfried laut seinen Unmut zum Ausdruck bringt, erscheint Hagen von Tronje, der Berater und Oheim des Königs Gunter. Er will den Zugang zu Kriemhild verwehren, weil er durch eine Hochzeit Kriemhilds seinen Einfluss auf Gunter schwinden sieht. Siegfried verschafft sich jedoch durch offene Drohungen eine Audienz bei Kriemhild. Diese ist aber, als sie Siegfried sieht, erschreckt und sprachlos, was Hagen von Tronje als Unpässlichkeit und Desinteresse Kriemhilds deutet. Enttäuscht zieht sich Siegfried zurück.
Er lässt sich aber nicht vollends entmutigen und tritt in der folgenden Nacht auf dem Schlosshof unter Kriemhilds Balkon. Gernot und Silberling singen ein herzergreifendes Liebeslied. Kriemhild erkennt Siegfried vom Balkon aus und wirft ihm als Zeichen ihrer Liebe ihr Taschentuch hinunter.
Am nächsten Tag hält König Gunter seine tägliche Audienz ab. Siegfried verschafft sich ungebeten Zutritt, was Hagen von Tronje zu verhindern sucht. Siegfried kann Gunter jedoch seine Werbung um Kriemhild unterbreiten und hält als Beweis triumphierend das Taschentuch als Zeichen von Kriemhilds Liebe hoch. Als Kriemhild erscheint, fordert sie von Gunter, Siegfried heiraten zu können. Hagen aber versucht dies zu verhindern, weil dem Gesetz des Landes gemäß Gunter als König zuerst heiraten muss. Gunter bekennt, dass er die Königin von Island, Brunhild, liebt. Diese Liebe steht aber unter einem schlechten Stern, weil Brunhild nur den heiratet, der sie im Kampfe besiegt. Da bietet Siegfried als Ritter und Held seine Dienste an, die Gunter nach einigem Zögern annimmt. Gemeinsam mit Gernot und Silberling ziehen sie per Schiff nach Island.
Kaum sind sie im Hafen von Island angekommen, da nähert sich bedrohlich der Drache. Dieser nimmt die Gruppe aber nicht wahr und fliegt davon.
Gunter möchte die Beziehung zu Brunhild nicht mit einer Lüge beginnen und tritt selbst gegen sie an. Er verliert den Kampf aber und ist dem Tode geweiht. Daraufhin erklärt Brunhild, dass sie das Todesurteil nur zurücknehmen würde, wenn Gunter das Auge des Drachen bringen würde. Sollte er aber flüchten wollen, würde sie eine mächtige Streitmacht zusammenstellen, um nach Burgund zu ziehen und das Land zu schleifen.
So ziehen die Vier zur Höhle des Drachen, in der auch sein angehäufter Goldschatz liegt. Die Höhle wird von Alberich und den Nibelungen bewacht. Siegfried vertreibt aber die Nibelungen und nimmt Alberich gefangen.
Als der Drache erscheint, tritt ihm Siegfried entgegen und erschlägt ihn. Ein Vogel erzählt Siegfried, dass er, wenn er in dem auslaufenden Drachenblut baden würde, eine Hornhaut bekäme, die keine Waffe der Welt mehr durchdringen könne. Siegfried badet in dem Blut, bemerkt aber nicht, dass sich ein Lindenblatt auf seiner Schulter festgesetzt hat, sodass dort eine winzige Stelle verletzbar bleibt. Nun tauchen auch die Mitstreiter wieder auf. Alberich aber kann in einem unbemerkten Augenblick fliehen. Ohne ihn, aber mit dem Auge des Drachen und mit Gold kehren sie nach Island zurück, wo die Bevölkerung in Aufruhr ist, weil Brunhild schon das mächtige Heer zusammenstellt um Burgund zu schleifen. Siegfried aber erscheint rechtzeitig und präsentiert Gunter als Drachentöter. Brunhild erkennt fassungslos die Lösung der Aufgabe an und willigt in die Heirat mit Gunter ein.
Die Zeitungen in Burgund verkünden nun die Ankunft Gunters und die Doppelhochzeit zwischen Brunhild und Gunter und Kriemhild und Siegfried.
In ihrem Zimmer erfährt Brunhild von der Doppelhochzeit, was sie maßlos empört. Wie könne es sein, dass sie, eine Königin von hohem Stand, gleichzeitig mit Siegfried, einem besseren Stallburschen, vermählt werden soll.
An anderer Stelle im Schloss sieht Hagen von Tronje seine Macht schwinden. Da taucht zu später Stunde Alberich, sein Bruder, auf. Gemeinsam wollten sie mit der Hilfe des Drachen die Welt beherrschen. Dieses Ansinnen sei jetzt durch den Tod des Drachen zunichte gemacht worden. Gunter als Drachentöter würde nach der Hochzeit über die gesamte Macht verfügen. Da erklärt Alberich, dass Siegfried den Drachen tötete, wobei er noch auf die ungeschützte Stelle auf Siegfrieds Schulter hinweist. Nun wittert Hagen erneut Morgenluft.
Am Tag der Hochzeit kommt es zur ersten Begegnung von Kriemhild und Brunhild. Dabei entwickelt sich ein Disput, bei dem Brunhild schwant, dass sie von Gunter hinters Licht geführt wurde. Sie beordert Hagen von Tronje nach der Trauung auf ihr Gemach und macht gute Miene zum bösen Spiel.

Tage später:
Gernot und Silberling lagern wieder hungernd im Wald. Silberling macht Gernot die größten Vorwürfe, weil er wieder einmal seine Nase in etwas gesteckt habe, was er besser hätte lassen sollen. Gernot berichtet noch einmal, dass er auf einer Jagd den Mord von Hagen von Tronje an Siegfried beobachtet hat, worauf sie jetzt von der ganzen Armee des Landes gesucht würden, weil Hagen den Verdacht auf sie gelenkt habe. Deprimiert klagen beide über ihr schlechtes, chancenloses Leben.

Zum Projekt:

Das Stück stellt den Versuch dar, sich mit dem Thema der Nibelungen-Sage auseinanderzusetzen. Dabei haben sich alle 5. und 6. Klassen der Schule mit dem Stoff der Nibelungen im Deutschunterricht auseinandergesetzt. Hier geht es nicht nur um sinnerfassendes Lesen, sondern auch um die wesentlichen Motive, die diese Sage bestimmen. Zudem haben die Klassen auch einen Film aus der Terra-X Serie gesehen, der sich sehr ausgiebig mit den historischen Quellen und Ereignissen auseinandersetzt.
Alle 5. und 6. Klassen verfügen somit über grundlegendes historisches und literarisches Wissen. Das Stück gibt nunmehr für die SchülerInnen die Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse mit der theatralen Präsentation in Beziehung zu setzen, um hierbei auch die Möglichkeiten künstlerischer Bearbeitungen zu erfassen.

Das Stück ist ein Spiel mit Musik, das die Geschichte Siegfrieds in insgesamt 16 Bildern zeigt. Dabei werden die wesentlichen Versatzstücke der Sage und deren Bearbeitungen in neue zeitliche Zusammenhänge gestellt. Die wesentlichen Motive der Sage bleiben aber erhalten, insbesondere die Wirkung von Lug und Trug bis hin zur Katastrophe. Da es sich um ein Stück für Kinder handelt, wurden die sexuellen Anspielungen, die im Nibelungenlied eine nicht unerhebliche Rolle spielen, weitgehend getilgt.
Klammer in dem Spiel sind zwei mitspielende Moderatoren, die die in feudalistischen geprägter Gesellschaft spielende Geschichte quasi aus der Perspektive der Unterschicht betrachten und begleiten.
Das Stück beinhaltet viele Lieder, die die Ereignisse illustrieren, gegenwärtige emotionale Zustände verdichten oder auch Gruppen charakterisieren.
Der Text des Stückes liegt als Arbeitsgrundlage zu Beginn des Entwicklungsprozesses vor, wurde aber in der konkreten Auseinandersetzung durch die SchülerInnen und SpielleiterInnen in der Folgezeit immer wieder verändert oder auch gekürzt.